Bunte Kuh e.V.
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Projektziele

Die Lehmbau-Aktionen ermöglichen benachteiligten Kindern und Jugendlichen das Erlebnis sinnlicher, kreativer, Gesundheit und Integration fördernder Bauprozesse, bei denen der Baustoff Lehm seine faszinierende ’soziale und kulturelle Klebekraft’ entfaltet.

Unser Projekt „Räume durch Erleben entwerfen“ fördert, neben den sozialen Fähigkeiten der Kinder ganz besonders die Erfahrung eigener gestalterischer Fähigkeiten. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Während des Bauens, wobei ca. 60 t Lehm geknetet, gestampft und mit Fäusten bearbeitet, verstrichen und verziert werden, wird die Gestaltungs- und Bewegungsfreude auf natürliche Weise gefördert, die Fein- und Grobmotorik geübt. Von ErzieherInnen und Eltern mit Verwunderung und großem Interesse beobachtet wird immer wieder die Entwicklung psychomotorischer Fähigkeiten: gerade so genannte hypermotorische Kinder sind ausdauernd und konzentriert arbeitend bei der Sache. Schon Kleinkinder machen erste Material-Erfahrungen, kneten und schmecken den Lehm.

Es gibt auf der Lehm-Baustelle vielfältige und frei wechselbare Beteiligungsangebote an einem Ort zur selben Zeit. Jedes Kind kann sich mit seinen Fähigkeiten und Sehnsüchten einbringen, jedes Kind findet seinen Platz im gemeinsamen kreativen Prozess:

die Kinder bauen Figuren und Modelle an Tischen, transportieren die Lehmbrocken oder klopfen faustgroße Lehmklumpen auf Mauern fest und bauen so die Bauwerke in die Höhe und verzieren die Oberflächen. Jeder kann sich an seinem gewählten Platz ausprobieren ohne ausgeschlossen zu sein. Es bilden sich je nach Anforderung wechselnde Arbeitsbündnisse über alle sozialen und Alters-Grenzen hinweg. Die Verführung zur Zusammenarbeit ist groß, da man alleine zu wenig schafft.

Die Baustelle ist eine Stolzproduktionsanlage: von individuellem Stolz und von Stolz auf das in der heterogenen Gruppe gemeinsam Geschaffene. Sie stärkt gleichzeitig das Ich- und das Wir-Gefühl. Und auch wir, die Lehmbau-Crew sind nach wie vor jedes Mal aufs Neue überrascht, was für tolle Bauten gemeinsam entstanden sind und freuen uns über die durchgehend positive Resonanz. Unsere eigene Begeisterung und die der Kinder ist der Motor der Projekte.

Beim Abschlussfest zeigen die Kinder freudig allen eingeladenen Eltern, Freunden, Nachbarn und Passanten, die schönen Bauwerke, an denen sie mitgearbeitet haben und erhalten dafür reichlich Lob und Anerkennung von allen Seiten. Ihre Modelle, die während der Aktion in großer Zahl öffentlich ausgestellt waren, dürfen sie dann mit nach Hause nehmen.

Das Projekt "Räume durch Erleben entwerfen" fördert durch die Gleichzeitigkeit von Begreifen und Gestalten im kommunikativen, kreativen Schaffensprozess die kognitiven, haptischen und sozialen Fähigkeiten.

Den Spaß an der Kreativität und den großen Gewinn für die Persönlichkeitsentwicklung durch das Lehmbau-Projekt drückt zum Beispiel Alina, 5 Jahre aus, die in einem Interview voller Stolz berichtet:

"Ich hatte noch nie im Leben so etwas gemacht, ...ich dachte nur, dass ich es nicht kann... aber ich kann es!", „Hier kann man machen, was man will“ und "Es hat mir Spaß gemacht - wegen der ganzen Arbeit."

Wir ermutigen die Kinder über die gemeinsame Umsetzung ihrer Bauideen zur Mitverantwortung für die kreative Gestaltung ihrer Umwelt.

Durch Partizipationserfahrungen üben die Kinder den Erwerb basaler demokratischer Handlungskompetenzen schon im frühen Kindesalter spielerisch ein. Es entsteht eine Spielkultur, die weder die Kunst noch das Spielen als Selbstzweck begreift, sondern die kreative und soziale Erfahrung zur Basis für das Wissen um selbst bestimmte Prozesse und die Veränderbarkeit von oft fremdbestimmter Realität macht: eine Kultur des Spielens als Weg zur Ausbildung von Identität und Gemeinschaft.

Das Bauen mit Lehm ermöglicht fließende Übergänge zwischen, künstlerischer, handwerklicher, therapeutischer und integrativer Arbeit mit Kindern.

Eine wichtige Erfahrung der Teilnehmer bei den Aktionen ist neben der Entwicklung eigener Gestaltungskompetenz auch die Überwindung von kulturellen und sozialen Grenzen.

Indem die Kinder und Jugendlichen neue Räume im gemeinsamen Erleben des Bauprozesses entwerfen, erleben sie Architektur als soziale Kunst. Wir stellen Kinder unterschiedlicher Herkunft vor eine große Herausforderung  und geben ihnen Raum für ihre Fantasien. Durch die Lehmbau-Aktionen zeigen Kinder, dass sie "Großes" leisten und ihre schöpferischen Fähigkeiten in einem gemeinsamen Schaffensprozess öffentlich unter Beweis stellen können. Sie schaffen durch ihre "Arbeit" Räume in Erwachsenen-Dimensionen. Sie bekommen dafür die Anerkennung, die sie - besonders in benachteiligten Gebieten - für ihre Entwicklung zu verantwortungsvoll handelnden Persönlichkeiten brauchen; Kinder und Jugendliche wollen nicht zerstören, sie wollen gebraucht werden und mitgestalten.

Unsere von Beteiligung lebenden Aktionen fördern vor allem über die Freude am Gestalten und durch die Integration der Menschen verschiedener Herkunft und unterschiedlicher Bildungs- und Altersstufenstufen, die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen und stärken damit zugleich Toleranz und Demokratie in unserer Gesellschaft.

Der gesamte Bauprozess wirkt Identität stärkend und Gewalt mindernd, wie LehrerInnen und ErzieherInnen uns immer wieder bestätigen. Das Lehmbau-Projekt dient der Förderung des Selbstwertgefühls und der Interaktionsfähigkeit. Es dient damit der seelischen Gesundheit der Kinder.

Auftrag der Erwachsenen ist es, mit Kindern und Jugendlichen die Mitgestaltung der Zukunft einzuüben, denn im Zusammenspiel der Generationen ist es die Aufgabe der Kinder, die Welt neu zu erfinden. Dafür gibt es kein besseres Werkzeug als die Kunst.


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